Seit dem 13. Jahrhundert thront das imposante Gebäude mit seinen drei wahrzeichenhaften Treppengiebeln über dem Maintal. Heute befindet sich das denkmalgeschützte Schloss Mainberg in Privatbesitz und ist öffentlich nicht zugänglich. Dr. Thomas Horling, Historiker und stellvertretender Vorsitzender des 2018 gegründeten Fördervereins zum Erhalt des Schlosses, konnte gewonnen werden, die interessierten Mitglieder des OMG-Freundeskreises mit seinem Insider-Wissen durch das kunsthistorisch herausragende Anwesen zu führen.
Beginnend auf der Südterrasse mit einem wunderschönen Ausblick auf den Main ging es über den Innenhof auf mehrere Stockwerke. Die Anlage verfügt über alles, was man von einem Schloss so landläufig erwartet: Verlies, Weinkeller, Schlosskapelle und zahlreiche prachtvolle Säle und Räume, jeder für sich einzigartig ausgestattet, begeisterten die 36 Teilnehmenden der Führung.
In jedem Raum verband Dr. Horling die künstlerischen Kostbarkeiten mit dem Leben der jeweiligen Bewohner, angefangen mit dem Fürstengeschlecht der Henneberger im 14. und 15. Jahrhundert. Wechselvoll ging die Schlossgeschichte weiter, bis der Schweinfurter Industrielle Wilhelm Sattler 1821 das Schloss kaufte, herrichtete und als Tapetenfabrik nutzte, dort aber auch eine beachtliche Kunstsammlung (u. a. viele Riemenschneider-Werke) zusammentrug. 1915 erwarb der erfolgreiche Schweinfurter Unternehmer Ernst Sachs das Anwesen und ließ die Inneneinrichtung nach seinem Geschmack durch den renommierten Münchner Architekten Franz Rank zu einer repräsentativen Industriellenvilla umgestalten. Die für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Haustechnik mit Heizungen, Bädern, ausgeklügelter elektrischer Beleuchtung und einem Aufzug beeindruckt ebenso wie die kunstvollen Leuchter, Decken- und Wandgestaltungen. Obwohl die Enkel Ernst Wilhelm und Gunter im Schloss geboren wurden, erfüllte sich Ernsts Wunsch, auf Schloss Mainberg eine dauerhaft wohnende Familiendynastie zu etablieren, leider nicht. Nach dem Verkauf 1955 erlebte das Anwesen mehrere Eigentumswechsel und sucht bekanntlich aktuell wieder einen vermögenden Käufer mit einem tragfähigen Nutzungskonzept.
Künstlerischer Höhe- und Schlusspunkt des ausführlichen Rundgangs war das Esszimmer der Familie Sachs im Stil der spanischen Renaissance, dessen Wände von mannshohen und meterlangen Fresken des Münchner Malers Matthäus Schiestl dominiert werden. Der südlich anschließende Wintergarten mit einem nochmals erhöhten Blick auf das frühlingshafte Maintal rundete die aufschlussreiche Führung sehr gelungen ab.
Barbara Schug für den Freundeskreis