Die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ versetzt die Bundesrepublik Deutschland im Herbst 1977 in einen Schockzustand: Ein palästinensisches Terrorkommando entführte in Absprache mit der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) das Flugzeug, um Mitglieder der RAF aus dem Gefängnis freizupressen.
Der ehemalige GSG 9-Beamte Aribert Martin kam ans OMG, um den Schülerinnen und Schülern von der Befreiung der 90 Geiseln in Mogadischu zu berichten und mit ihnen über Terrorismus zu diskutieren.
Gebannt verfolgten sie die Ausführungen des Zeitzeugen, der von Strategien, mit Kreppband umwickelten Aluleitern, Sprengsätzen an Türen, Handgranaten, die in Sitzen explodierten, Angst, Blendgranaten und Terroristen sprach, als ob das Alltäglichkeiten wären. 1977 wurde die Übung zum ersten Mal Realität – mit ungewissem Ausgang. Bei der Rettungsaktion wurde leider ein Pilot von den Terroristen erschossen; es überlebten aber alle anderen Geiseln und Einsatzkräfte körperlich nahezu unversehrt. Dieser Erfolg der GSG 9 lag an mehreren Faktoren: der akribischen Vorbereitung und Planung, der Ausbildung und dem Mut der Einsatzkräfte, dem Verhandlungsgeschick der Unterhändler, politischer Unbeugsamkeit und auch an einer großen Portion Glück!
Nach dem Vortrag wurde „Ari“ u. a. gefragt, weshalb er zur GSG 9 gegangen sei oder was es für ein Gefühl sei, zu wissen, dass man vielleicht gleich einen Menschen erschießen müsse? Er habe sich bei der im Nachgang zum Terroranschlag bei den Olympischen Spielen 1972 in München neu gegründeten „Grenzschutzgruppe 9“ beworben und die „brutale Ausbildung“ gemeistert. Zu ihr gehöre, reaktionsschnell und strategisch zu handeln – das umfasse auch, ggf. einen Menschen zu töten: „Ich wusste, dass der Terrorist mich erschießen würde. Also musste ich schneller sein. Ich bin dennoch dankbar, dass ich niemanden töten musste, denn eigentlich verabscheue ich Gewalt. […] Terror könne man nur dann eindämmen, wenn man sich noch klarer und entschiedener für die freiheitliche Demokratie einsetze“, erläuterte er. Mit einem eindringlichen Appell verabschiedete sich unser Gast von uns: „Habt keine Angst! Bleibt handlungsfähig und macht was aus eurem Leben! Sonst gewinnen die anderen!“
Anja Engelhardt