„In Zeiten universeller Täuschung wird die Aussprache der Wahrheit zum revolutionären Akt.“ Mit diesem von George Orwell stammenden Zitat eröffnete Dietmar Paun, Leiter der GSP Bayern (Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.), den Diskussionsvortrag vor der Oberstufe. Hauptreferent war der Oberstleutnant a. D. Andreas Leibner, der während seiner Dienstzeit bei der Bundeswehr etwa als Verteidigungsattaché an den deutschen Botschaften in Moskau und Minsk oder als Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums in Kiew tätig war.
Herrn Paun und Herrn Leibner gelang es, die Verbindung der aktuellen Krisen und Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten herzustellen sowie die Rolle der USA, Chinas und Russlands anschaulich zu erläutern, sodass innerhalb kürzester Zeit die Anwesenden gebannt lauschten, dabei aber nicht in Panik verfielen. Ergreifend war u. a. das Bild vom Luftraum über der Ukraine von der ukrainischen App Air Alert vom 13./14.03.26. Es zeigte die unfassbare Masse an Dronen, Gleitbombern sowie ballistischen Raketen, die über den Köpfen der Zivilbevölkerung einflogen.
Es wurde eindeutig klar, dass wir in Deutschland und Europa durch das vernetzte System aus Krisen und Kriegen und der Hybriden Kriegsführung direkt betroffen sind. Deutschland, Europa und die Welt stünden angesichts der allgemeinen Weltlage vor einer Mammutaufgabe. Eine wichtige Erkenntnis des Vormittags: Wir können uns in Europa nicht mehr auf den Schutzschirm der USA verlassen und wir müssen den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und militärischen Herausforderungen entgegentreten. Dafür müssen wir z. B. unsere kritische Infrastruktur schützen, die Gesellschaft resilient für die anstehenden Aufgaben machen und letztlich in Deutschland die Frage nach der Wehrpflicht lösen. Dies alles erfordere von uns allen strategische Geduld – denn vernetzte Konflikte hätten keine schnellen Lösungen, erläuterte Herr Leibner.
Abschließend ging die eindringliche Bitte der Referenten an die Zuhörerinnen und Zuhörer: „Sie werden diese neue, veränderte Weltordnung mitgestalten. Frieden muss aktiv gestaltet werden! Frieden darf nicht mehr nur verwaltet werden!“
Im Anschluss an den packenden Vortrag hatten unsere Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, direkt mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Beantwortet wurden die Fragen nach der Wehrpflicht, der Rolle Chinas und des Völkerrechts und die Verwendung von KI in der Kriegsführung.
Eloquent und souverän moderiert wurde die Veranstaltung von unseren beiden Abiturienten Connor Barber und Paul Bönig.
Herr Paun richtete sich am Ende noch einmal zugewandt an das junge Publikum: „Sie sind die Zukunft; ich sage das als Staatsbürger. Ich wünsche Ihnen alles alles Gute und viel Erfolg in der Schule, um auf das Leben nach der Schule gewappnet zu sein.“
Das OMG, insbesondere die Fachschaft PuG, bedankt sich herzlich und wir hoffen sehr, bald wieder solch hochkarätige Experten bei uns an der Schule begrüßen zu dürfen.
Anja Engelhardt und Friederike Eckel-Süssner