Bianca Kühnert und Kaiti, ein Jugendlicher aus Brasilien, kamen am 13.11.2025 zu uns ans OMG. Beide leben in Brasilien und führen bzw. arbeiten dort in einem landwirtschaftlichen Betrieb, der mit der Vielfalt der Anbauprodukte den Stockwerkbau des Regenwaldes nachahmt, ohne die mineralstoffarme Tonerde des Regenwaldes auszulaugen. Oberstes Prinzip ist die Diversität der Anbauprodukte, die es im immerfeuchten tropischen Regenwald eine Kreislaufwirtschaft ermöglicht, dem Boden über die anfallende Streu wieder Mineralstoffe zukommen zu lassen, so dass dieser keine Düngung benötigt. Auf den Feldern findet man neben Nelken, Ananas, Orangen, Avocados oder Yams auch die eingeführte Jack-Fruit, in deren Wipfel die Goldaffen ihre Nahrungsgrundlage finden. Darüber hinaus gibt es mehrere Wiederaufforstungsprojekte auf den Rodungsinseln der Hackbauern. Notwendig ist dies, weil laut Bianca in Brasilien mittlerweile durch die hohe Verstädterung und die damit verbundenen Nutzungsansprüche rund 80% der ursprünglichen Waldfläche gerodet wurden.
Wer glaubt, dass diese Informationen staubtrocken vermittelt wurden, der irrt. Bianca und Kaiti ließen dieses Wissen einfließen in das Probieren von Rohkakao und in eine Vielzahl aus kleinen Geschichten, die sie aus ihrem Leben berichteten. Beispielsweise dolmetschte Bianca, dass Kaitis Mutter die Überschüsse aus der Landwirtschaft verkauft und es ihrem Sohn Kaiti somit ermöglicht, in die Schule zu gehen. Schule in Brasilien hat man sich etwas anders vorzustellen als hier. Die Grundschule gibt es für Kinder von 2 bis 12 Jahren. Es gibt in dem riesigen Land also eine Schulpflicht, aber kontrolliert wird sie nicht. Das Schulkind besteht ein Jahr, indem es körperlich in der Schule anwesend ist. Bianca erzählte u. a. von einer „furchtbaren“ öffentlichen Schule, dass eine Lehrkraft dort unterrichtete, die keine Ausbildung hatte und ihre Reputation daher bezieht, dass sie selbst einmal ein Jahr in der Schule Englisch gelernt hat. Aus diesem Grund schreibt sie die Unterrichtsinhalte aus einem Buch an die Tafel ab, von der die Kinder wiederum abschreiben. Dies führte bei einer Klasse mit 12 – 16-jährigen Schülern dazu, dass die älteren immer noch Lautschrift schreiben statt Schriftenglisch. Kaiti ergänzte, dass er selbst nicht immer große Lust auf die Schule habe. Außerdem sei es manchmal sehr schwer, überhaupt dorthin zu gelangen, denn die Straßen seien nichts anderes als große Schlammpisten. Der Junge selbst erzählte auf Brasilianisch von einem Erlebnis bei einem Starkregen, nämlich dass der Bus von der Straße kippte und eineinhalb Stunden schräg im Hang hing, bis ein Bauer mit einem Traktor kam, der den Schulbus wieder von der Straße zog.
Die Schülerinnen und der Schüler unserer beiden OMG-Wahlkurse stellten unseren authentischen Augenzeugen so viele Fragen, dass die geplante Zeitdauer dann doch etwas überschritten wurde. Das war aber gar nicht schlimm, sondern spricht für die Qualität des Workshops. Aus diesem Grund sind wir der Lokalen Agenda 2030 der Stadt Schweinfurt für dessen Finanzierung sehr dankbar und besonders Heike-Schirmer da Fonseca von unserer Partner-Fairtrade-Montessori-Schule, die Kontakt und Vortrag vermittelt hatte. Gerne wieder!
OStRin Carolin Sauer für den Fairtrade- und den Klima-Wahlkurs