Ignaz-Schön-Straße 9 | 97421 Schweinfurt
„Geschichte made by women“
Der Freundeskreis auf den Spuren starker Frauen in Schweinfurt

An markanten, jeweils passenden Orten in der Schweinfurter Altstadt ließ die Gästeführerin Claudia Helldörfer die Stadtgeschichte aus einem neuen Blickwinkel betrachten, nämlich aus der Perspektive von bekannten und unbekannten Frauen aus mehreren Jahrhunderten und verschiedensten Bereichen der Gesellschaft.

Ein Schwerpunkt war natürlich das kurze Leben der Olympia Morata (1526-1555), dargestellt an ihrem Denkmal in der Brückenstraße. Der Liebe zum Stadtphysikus Andreas Grundler wegen zog die junge Humanistin aus dem italienischen Ferrara nach Schweinfurt, wo sie sechs Jahre lebte und ein bemerkenswertes literarisches Werk schuf.

Am ehemaligen Kerker im Vorbau des Rathauses wurde das Schicksal von Anna Markert (1570-1616) thematisiert, die als Hexe angeklagt, nach der Folter verstorben ist. So grausam ihr Leben und das anderer Angeklagter beendet wurde, fügte Helldörfer hinzu, dass in der Freien Reichsstadt Schweinfurt mit insgesamt fünf Hexenprozessen im Vergleich zu den Bistümern Würzburg und Bamberg (mit je etwa 1000 Hinrichtungen) erheblich weniger Menschen dem Verfolgungswahn zum Opfer gefallen sind.

Am Geburtshaus Friedrich Rückerts am Marktplatz ging es einmal nicht um den Dichter selbst, sondern um seine lebenslustige und reichlich unkonventionelle Großmutter Sabina Barbara Stör (1728-1794), die getrost als „Femme fatale“ in der damaligen Schweinfurter Gesellschaft gelten kann.

Das Leben und Wirken von Catharina Sattler (1789-1861) wurde vor dem Porträt mit ihrem Ehemann des Industriellen Wilhelm Sattler im Museum Georg Schäfer behandelt. Die Mutter lebte mit ihrem Mann und dreizehn Kindern auf Schloss Mainberg, war selbst talentierte Malerin und Förderin der Künste und machte das Schloss zu einem kulturellen Anziehungspunkt ihrer Zeit.

An der Disharmonie war mit Nuscha Schönau (1884-1977) auch die Schauspielkunst Thema. Die aus dem Baltikum stammende Schauspielerin lebte 50 Jahre in Schweinfurt und prägte gemeinsam mit ihrem Mann, Direktor des Schweinfurter Stadttheaters, das Kulturleben der Stadt entscheidend mit.

Gretel Baumbach (1896-1983) hatte sich seit frühester Jugend durch starkes Sozialengagement in verschiedenen Organisationen der Arbeiterbewegung ausgezeichnet. 26 Jahre lang war sie politisch im Schweinfurter Stadtrat aktiv und erhielt 1976 die Ehrenbürgerwürde der Stadt.

Pädagogin aus Leidenschaft war Oberstudiendirektorin Margrete Kallmann (1897-1960). Die gebürtige Würzburgerin wurde während des Dritten Reichs aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln aus dem Schuldienst entlassen, avancierte aber nach dem Krieg zur Direktorin der städtischen Mittelschulen (heute: Realschulen) Schweinfurts, wo ihr ganzes Bestreben der gewissenhaften Bildung aller Lernenden galt.

Schrecklich war das Schicksal der jungen polnischen Fremdarbeiterin Zofia Malczyk (1926-1945), die während der Nazi-Diktatur sechs Jahre in Deutschland als billige Arbeitskraft ausgenutzt und 1945 hochschwanger von zwei Kriminalbeamten in Schweinfurt willkürlich umgebracht wurde.

Beeindruckt von den Fähigkeiten, der Kraft, Unbeugsamkeit, aber auch den traurigen Schicksalen der dargestellten Frauenpersönlichkeiten, ließen die Teilnehmenden den milden Winterabend auf dem Schweinfurter Weihnachtsmarkt ausklingen, wo im Gespräch z. T. noch die historischen Impulse nachklangen.